13. Dezember 2010 18:17

Windows Phone 7 – ein Testbericht – I

Nach langer Abstinenz nun doch ein Beitrag von mir…

Vor 2 1/2 Wochen habe ich die Möglichkeit gehabt, ein unter Windows Phone 7 laufendes Mobiltelefon ausgiebig zu testen: das HTC 7 Mozart. Testdauer < 6 Monate. Nun ein kleiner Testbericht dazu. Wer mich eines Besseren belehren möchte (nicht gefundene Features etc.) darf sich gern bei mir melden.

Vorab sei zu sagen dass ich seit anderthalb Jahren ein iPhone 3GS nutze und damit bisher sehr zufrieden war. Ein kurzfristiger Wechsel auf ein iPhone 4 kam für mich – aufgrund des doch recht kurzen Schrittes von 3GS auf 4 – bisher nicht in Frage.

Die technischen Spezifikationen des HTC 7 Mozarts sprechen klar dafür, dass ein Großangriff auf Apples iOS oder Googles Android geplant ist. Wo wir auch schon bei den ersten Problemen sind: die Unwissenheit der Medien, Tester und Herstelle über die Hardware.

In dem Fakt dass dieses Gerät 1 GHz Prozessorleistung besitzt, sind sich zum Glück alle einig. HTC selbst unterschlägt den Kunden auf seiner eigenen Internetseite ganze 8GB internen Speicher (Seite: 8GB, Ist: 16GB) und ist der Meinung dass das eigene Gerät als “Taschenlampe” genutzt werden kann. Fehlanzeige! Das Gerät besitzt einen hellen Xenon-Blitz welcher nicht im Dauermodus verwendet werden kann. Dieser Umstand hält HTC aber nicht von ab, in der Video-Funktion eine “Video-Leuchte” zu integrieren. Selbstverständlich wird diese nie funktionieren. Wer also – wie ich – bei einer der vielen Weihnachtsfeiern verzweifelt versucht hat diesen zu aktivieren, dem sei der Einband von des Reiseführers “per Anhalter durch die Galaxis” empfohlen: keine Panik!


Wo wir gerade bei der Kamera sind: 5 oder 8 Megapixel? Viele Zeitschriften sind der Meinung, dass die integrierte Kamera nur 5 Megapixel hat. Falsch! Es sind um genau zu sein 3.264 x 2.448 Pixel. Ergibt nach Adam Ries und einer gewissen Rundung 8 Megapixel. Diese 8 Megapixel sind nach meiner Meinung auch sehr gut angelegt und verrichten bei gesperrtem Telefon nach einem längerem Druck auf die Kamera-Taste innerhalb von 3-5 Sekunden ihren Dienst. Der Xenon-Blitz tut das was er kann und erhellt die nächste Umgebung in weißem Licht. Nachteil: die Schärfeneinstellung bei mangelndem Licht lässt zu wünschen übrig. Rund 30% der geschossenen Weihnachtsfeier-Bilder waren ein Fall für den Mülleimer. Alle anderen konnten sich aber sehen lassen. Ein Testbild gibt es hier in voller Größe.

Die Videokamera filmt in HD mit 1280 * 720. Es ist jedoch anzumerken, dass dies bei jedem einschalten der Kamera aufs Neue eingestellt werden muss. Denn “ab Werk” sind dort stets 640 * 480 Pixel eingestellt. Gespeichert werden die Videos im MP4-Format. Wie gesagt: eine Videoleuchte gibt es nicht!

Ansonsten besitzt das Gerät 576 MB Arbeitsspeicher, einen 3.5mm Klinkenstecker-Anschluß (Gottseidank..), einen Micro-USB-Anschluß zum Laden/Datenverkehr, ein 480 x 800 Pixel-Display und ist in etwa genauso groß und schwer wie ein iPhone 3GS. Der restliche Blabla interessiert den normalen Nutzer in der Regel nicht (was sagen 1.300 mAh Lithium-Ionen-Akku über die Laufzeit aus? Gar nix! Denn wenn mein Mobiltelefon eine Mikrowelle beinhaltet, taugt auch der stärkste Akku nix ;-) ). Da ich aber schon seit dem 3GS jeden Morgen mein Mobiltelefon lade, ist dies nur von tertiärer Wichtigkeit für mich.

Kein Gerät für App-Messies: Mit Windows Phone 7 hat Microsoft es gewagt, die für Smartphones typischen “kleine Symbole in Spalten/Zeilen” hinter sich zu lassen und auf ein frisches Bedienkonzept mit “Kacheln” zu setzen. Zwei Spalten und wohlmöglich unendlich Zeilen. Ein Wisch von rechts nach links bietet eine Liste mit allen installierten Kacheln. Länger draufgehalten, “auf die Startseite” und schon ist die Kachel auf der Startseite. Dies funktioniert mit Programmen, Kontakten, Notes, Postfächern und sicher auch anderen Verlinkungen. Allerdings verpflichtet es den Nutzer auch dazu, seine Startseite zu pflegen (nennt man das dann “live-tile-cleaning”?). Sonst wird es schnell unübersichtlich wenn neben einem selbst, Mama, Papa, Oma, Onkel, Tante, Frau, der Geliebten, den Töchtern, den Bildern, Musik & Video, SMS, dem privaten und dem geschäftlichen Email-Konto, 3 Notes, 10 “Apps” und dem Internet Explorer auch noch der Kalender sein täglich Brot verdienen will. Also hilft nur gelegentliches Ausmisten: was kann weg? Wen ruft man eh nicht an? Welche App hab ich bisher erst einmal genutzt? Belohnt wird man dann aber mit einer farbenfrohen und dynamischen Bedienoberfläche welche in 20 unterschiedlichen Kombinationen erleuchtet (10 Farben + hell/dunkel).

.. jetzt wird es aber langatmig…

Meine Meinung zu dem Gerät und der Software? Ich bin zufrieden aber denke, dass es besser geht. Die jetzige WP7-Version ähnelt ehr einer Beta-Version und war sicherlich nicht für den Markt gedacht (Zeitdruck?). Anders kann ich mir viele Dinge nicht erklären. Bugs, Fehler und andere Sachen die einfach nicht zuende gedacht worden.

Die da sind…

–> Das Gerät kann mit Zune über WLAN des Rechners synchronisiert werden wenn es an einer Steckdose aufgeladen wird. Allerdings erst nach 10 Minuten Ladezeit und nur solange bis es vollständig geladen wurde. Macht keinen Sinn.

–> Kein Copy & Paste. Gut, ich bin keiner derer die es teilweise als wichtigste Erfindung seit der Glühbirne (des Leuchtmittels) betrachten.. aber es fehlt.

–> URL-Eingabe beim Internet Explorer nur im Hochformat.

–> Ist der Internet Explorer geöffnet und man berührt die Suche-Taste, landet man auf einer Telekom-Seite.

–> auch wenn viele es behaupten: das Gerät besitzt keine Twitter-Schnittstelle.

–> Multitasking fehlt, ist aber für Otto-Normal-Nutzer unwichtig, es sei denn er mag es 10 Programme im Hintergrund laufen zu haben die ihm den Akku wegfressen.

–> es fehlen viele Feedbacks. Oft fragt man sich ob ein Bild nun an Facebook versendet wurde oder nicht. Das Gerät gibt keine Antwort.

–> Im Zune-Player funktioniert die “Buchstaben-Suche” nicht (Klick auf den Buchstaben, Liste mit den Anfangsbuchstaben erscheint, anklicken, es wird zu diesem Buchstaben gescrollt).

–> Hintergrund des Bilder-Hubs lässt sich nur per Zufall ändern.

–> Die Tastatur ist ungenau. Leertaste streikt gelegentlich.

–> allgemein nur Wecker -> keine Stoppuhr, kein Timer, nix!

usw.. mehr wird nachgereicht ;-).

Fakt ist, wenn Microsoft Zeitnah ein großes Update nachliefert, dürfte ihm damit ein weiter Wurf auf dem Smartphone-Markt gelingen. Ich werde auf jeden Fall dranbleiben und weiter ausgiebig ausprobieren. Und wenn Microsoft meinen Entwickler-Account endlich freigeschalten hat (übrigens über Dreamspark für Studenten kostenfrei + 4 Einsendungen) und mein Gerät als Entwicklergerät erkannt wurde, dürft ihr eventuell auch etwas zur App-Entwicklung lesen. Denn diese ist dank MSDN, der multilingualen Dokumentation und den mitgelieferten Tools bei weitem leichter als es bei Android der Fall ist. Zum Apple SDK habe ich leider keine Erfahrungen.

Haut rein und verzeiht den Schreibstil ;-).


Kommentare:

  1. doc schrieb am 13. Dezember 2010 um 20:28 :

    Ich hab es mir unterwegs durchgelesen. Ich finde es ist recht gut geschrieben, ich mag diesen seriösen Stil zwar nicht aber dafür ist es sehr informativ und das soll es ja nun sein. Gut wäre es zu wissen wo du die Informationen her hast, die von anderen Medien abweichend sind. Quellenangabe etc. Ich mein, wer garantiert mir das es wirklich 8MP sind (also nicht interpoliert etc.) und sowas möchte der geneigte Käufer sicherlich mit 100% Sicherheit wissen. Ansonsten , weiter so :)

  2. Florian schrieb am 13. Dezember 2010 um 20:33 :

    Hmm du stellst mich vor ungeahnte Probleme ;-) . Zugegeben denke ich schon dass die 8MP interpoliert sind. Allerdings ist es schon schade wenn dort von keiner Seite klare Aussagen getroffen werden.

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